Steckbrief:
Christina Kommer
Senior Expert Corporate Communications bei BNP Paribas S.A
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Christina, wer bist du?

Starke Worte sind mein Ding! Ich bin Teil des Teams Unternehmenskommunikation für die Marken Consorsbank und DAB BNP Paribas. 2019 habe ich die Leitung des Teams übernommen – und sie 2021 freiwillig abgegeben. Ich möchte Frauen dazu motivieren, ihren Werten treu zu bleiben, Erfolg und Karriere für sich individuell zu definieren, sich aus Schubladen zu befreien und Vorbild zu sein.

Minds of MentorMe

ist eine Kampagne, mit der wir unsere diverse Community mit all ihren interessanten Persönlichkeiten sichtbar machen. Mentor*innen teilen hier offen und aufrichtig ihre Werte, Einstellungen und Erfahrungen und geben so Einblick, was sie im Inneren bewegt. Dazu haben wir einen Fragenkatalog, bestehend aus 47 Fragen, zusammengestellt, der das abdeckt, was unsere Mentees schon immer spannende Persönlichkeiten fragen wollten. Diese Fragen reichen von „Welche Werte treiben dich an?“ über „Wann zweifelst du an dir?“ bis hin zu „Was würdest du zu deinem 10-jährigen Ich sagen – und was lieber verschweigen?“ Unsere Mentor*innen haben aus diesem Fragen-Potpourri die für sich interessantesten Fragen für unsere Community beantwortet.

Wie gehst du mit deinen Ängsten um?

Ich lege meine Ängste auf den Tisch. Ich habe die Erfahrung gemacht, je klarer mir ein Problem wird, desto besser kann ich damit umgehen und Lösungen finden. Ich bin ein sehr analytischer Mensch und strukturiere gerne – das mache ich auch bei Ängsten und Unsicherheiten. Ich frage mich dann: worum geht es eigentlich? Was steckt hinter der Angst? Und was macht dieses Gefühl mit mir? Dieses Sich-Bewusstmachen schafft eine wertvolle Klarheit darüber, was ich brauche, um die Angst zu überwinden.

Welche Werte treiben dich an?

Einer der wichtigsten Werte für mich ist Ehrlichkeit. Ich bin ein sehr direkter Mensch und sage, was ich denke. Manchmal provoziere ich oder treffe Menschen mit meinen Aussagen – das tue ich dann aber auch meistens ganz bewusst. Mich interessieren die Reaktionen. Gleichzeitig schätzen andere ehrlich gemeinte liebe Worte sehr viel mehr als oberflächliche Lobhudelei. Ehrlichkeit hängt für mich sehr stark mit Wertschätzung zusammen. Ein ehrliches, konstruktives Feedback ist Ausdruck von Wertschätzung: es zeigt, dass ich mich mit meinem Gegenüber auseinandergesetzt habe und den anderen verstehen möchte. Und ihm oder ihr dabei helfen möchte, Ziele zu erreichen. Ich hätte mir oft gewünscht, ehrlicher behandelt worden zu sein. Nur so hat man eine faire Chance, an sich zu arbeiten und eine Situation richtig einschätzen zu können.

Was ist für dich ein erfülltes Leben?

Ein erfülltes Leben bedeutet für mich, jeden Tag mein Bestes zu geben mich und andere glücklich zu machen. Klingt simpel, ist es aber nicht. Sich selbst aushalten zu können ist ganz wichtig um herauszufinden, was zum Glück fehlt oder was das eigene Glück (gerade) ausmacht. Um anderen einen Glücksmoment zu schenken braucht es Empathie und Akzeptanz für die Bedürfnisse des Gegenübers. Das ist eine gute Übung, um die eigene Neugierde zu behalten und kritisch mit sich selbst zu bleiben.

Welche Frau bittest du regelmäßig um Rat?

Meine Mama! Meine Mutter hat mir immer wieder gesagt: Egal, wer vor Dir steht, bleib dir treu und mach dich nie kleiner als du bist. Mach Dein Ding. Das habe ich nie vergessen. Wir haben ein sehr enges und inniges Verhältnis und sie ist meine wichtigste Wegbegleiterin. Ich glaube, man darf sich niemals den Respekt nehmen lassen, den man verdient. Auch wenn der eigene Wirkungshebel gering ist, es geht darum, Zeichen zu setzen und Grenzen zu aufzuzeigen. Ich bin froh, dass mich meine Eltern darin unterstützt haben, unabhängig zu werden und meinen eigenen Weg zu gehen.

Wer hat in dich investiert, als du noch nicht erfolgreich warst? Warum?

Mein bester Investor war ich selbst. Ich habe mir immer selbst Ziele gesetzt – ob es der Uniabschluss war, mein erster Urlaub, den ich mir zusammengespart habe oder eine Weiterbildung. Ich bin fest davon überzeugt, dass man sehr viel erreicht, wenn man selber anpackt und anderen signalisiert: Ich will das und ich kann das! Sucht Euch Menschen von denen ihr lernen könnt. Es ist wichtig sich immer mit Menschen zu umgeben, die besser oder erfahrener sind als man selbst – nur so kommt man vom Fleck und entwickelt sich weiter. Ein ernstgemeintes Feedback oder ein Ratschlag, der von Herzen kommt, sind manchmal die entscheidenden Impulse, um den entscheidenden Schritt weiterzugehen.

Was würdest du heute anders machen?

Nichts! Ich bereue nichts in meinem Leben, einfach weil ich zu jedem Zeitpunkt die aus meiner damaligen Sicht beste Entscheidung getroffen habe. Manchmal aus Intuition, aus Lust und Laune, aus Vernunft, aus Abenteuerlust oder aus Angst. Wichtig ist zu verstehen, welcher Antreiber eine Entscheidung auslöst. Das sollte selten Angst sein, gehört aber auch dazu. Wir haben immer die Wahl! Jeden Tag. Es ist nur die Konsequenz unserer Entscheidung, die uns manchmal Angst macht. Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir die Wahl haben. Das Wissen um diese Wahl schenkt mir das Gefühl von Freiheit und Sicherheit.

Was ist deine wichtigste Erkenntnis aus deinem Umgang mit Menschen (Menschenkenntnis)?

Die Auseinandersetzung mit Menschen, ihrer Einstellung und ihrem Leben ist die spannendste Disziplin! Menschenkenntnis hat kein Ziel und keine Grenze, schafft aber das, was unserer Gesellschaft – auch in vielen Unternehmen – noch fehlt: Gelebte Vielfalt. Erst wenn ich mich mit anderen und ihrer Lebenswelt auseinandersetze, mir also Zeit für den anderen nehme, kann ich Verständnis aufbringen für die Denk- und Verhaltensweisen meines Gegenübers. Die Auseinandersetzung mit anderen Menschen empfinde ich als Quelle der Inspiration: Jeder Mensch ist einzigartig und seine oder ihre Lebensgeschichte und Erfahrungen inspirieren ganz oft mein eigenes Tun; gleichzeitig hoffe ich, auch andere zu inspirieren und Impulse setzen zu können.

Was war dein größter Nutzen aus einer Mentoring-Beziehung?

Als Mentorin ist die Beziehung zum Mentee immer etwas ganz Besonderes. Mich hat es sehr bereichert, einen anderen Menschen ein kleines Stück auf seinem oder ihrem Weg zu begleiten und zu motivieren, Entscheidungen zu treffen. Mein größter Nutzen: der Perspektivenwechsel. Es ist eine gute Übung, sich in die Perspektive des anderen zu versetzen und nachzuempfinden, worin die aktuelle Herausforderung besteht. Gleichzeitig kann ich viele meiner eigenen Erfahrungen teilen und meinen Mentee bestärken. Es ist immer wieder ein schöner Moment für mich, wenn ich merke, dass der Mentee mehr Klarheit gewinnt und ich einen Teil dazu beitragen konnte.

Was bedeutet für dich Freiheit? 

Freiheit. Freiheit bedeutet für mich Unabhängigkeit – vor allem im Kopf. Wir leben in einem Land, das uns demokratische Freiheit bereits schenkt. Es geht uns gut. Wichtig ist, sich aber von gesellschaftlichen Zwängen, von Vorurteilen und von vorgeschriebenen Lebenswegen zu lösen. Ich habe mich bewusst für Karriere entschieden bis ich das Konzept Karriere hinterfragt habe und Erfolg für mich neu definiert habe. Ich habe meine Führungsposition freiwillig abgegeben und bin wieder in mein Team als Mitarbeiterin gewechselt. Das war eine spannende Erfahrung – vor allem für mein Umfeld, das nicht so recht wusste, wie es damit umgehen sollte. In dieser Phase hat das Wort „versagen“ viele meiner Gedanken beherrscht und der Selbstzweifel hat mich oft gepackt. Heute bin ich zufrieden und ich wusste, das ist der richtige Weg für mich. Es ist manchmal schwer, unkonventionell zu sein. Aber ich unterstütze jeden, der sagt: ich will meinen eigenen Weg gehen, egal, was andere sagen. Genau darin sehe ich die Freiheit, die wir alle besitzen: wir dürfen unseren eigenen Weg gehen, auch wenn er ein bisschen holpriger ist.

Was willst du am meisten auf der Welt hinterlassen, wenn du gehst?

Etwas in der Welt zu hinterlassen ist ein enorm hoher Anspruch. Ich glaube, das gelingt nur wenigen. Ich möchte in den Herzen der Menschen, die mir wichtig sind, ein glückliches Gefühl hinterlassen, wenn sie an mich denken. Ich möchte mit Impulsen Spuren hinterlassen, egal wie klein sie sind. Andere zu bereichern, das halte ich für eine lebenslange und vor allem sinnvolle Aufgabe, die mich als die Person, die ich bin, fordert.

Wieso glaubst du, bist du in dieser Position?

Egal, in welcher Position ich je war oder bin – ich bin mir sicher, dass ich dorthin gelangt bin, weil ich es wollte. Ich empfinde mich nicht als jemand, der irgendwo hinein stolpert. Ich wollte nie bewusst in einer Bank arbeiten oder im Bereich Unternehmenskommunikation. Aber ich wollte immer einen Job haben, der mich geistig fordert, in dem ich meine Ideen einbringen kann und der mir die Freiheit gibt, Dinge zu verändern. Das gelingt mir in meiner aktuellen Position mit allen Erfahrungen, die ich gemacht habe, am besten.

Wann hast du das letzte Mal Feedback, Kritik und/oder Lob von einem Mitarbeiter erhalten und warum?

Wenn ich genau hinhöre und hinschaue, dann bekomme ich tagtäglich Feedback. Vielleicht unbewusst vom Gegenüber, aber ein ehrliches Lächeln ist genauso Feedback wie ein konstruktives Feedbackgespräch. Feedback spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab. Je mehr Vertrauen und Vertrautheit zwischen zwei Menschen herrscht, desto klarer und immanenter fällt das Feedback meiner Meinung nach aus.

Vielen Dank für deine Bereitschaft und Offenheit!

Weitere Interviews mit anderen spannenden Persönlichkeiten aus der MentorMe Community findest du in unserem Blog. Viel Freude beim Eintauchen in das, was uns ausmacht. 💜

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