MentorMe ist aus der Idee entstanden, Frauen auf ihrem beruflichen Weg zu stärken. Männliche Mentoren sind schon lange Teil unseres Netzwerks, aber schon seit einer Weile melden sich auch Männer bei uns, die sich beruflich und persönlich weiterentwickeln möchten. Und natürlich sagen wir da nicht Nein! Im vergangenen Programmjahr waren es bereits neun männliche Mentees. Einen von ihnen möchten wir euch heute vorstellen: Alexander Rieder und seinen Mentor Moritz Werner. Die beiden erzählen, wie sie zueinandergefunden haben, worüber sie sprechen und warum es sich lohnt, die eigenen Ambitionen manchmal neu auszuloten.
„Der größte Punkt, der mich beschäftigt, ist, dass ich mein Vater sein nicht nur als Nebensache empfinde, sondern fast sogar als zentralen Bestandteil meines Daseins. Ich bin mir im Übrigen auch sicher, dass mich das den ein oder anderen Karriereschritt gekostet hat und auch noch wird.“
Lieber Alex, du bist einer der ersten männlichen Mentees bei MentorMe: Wie bist du auf MentorMe gestoßen?
Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich über MentorMe gestolpert bin. Ich glaube Arbeitskolleginnen und LinkedIn. Auf jeden Fall war mir bis zur Anmeldung bzw. als Moritz das gesagt hatte, gar nicht klar, dass das bislang nur für Frauen war. Mir war es einfach wichtig, in meiner jetzigen Phase, mit jemandem zu sprechen, der mehr Lebenserfahrung hat als ich und meine Idee und Fragen zu spiegeln und mir auch den ein oder anderen Rat, Perspektiven usw. einzuholen.
Und wie hast du es als Mentor erlebt, lieber Moritz, einen männlichen Mentee in einem Netzwerk zu begleiten, das ursprünglich als Netzwerk für Frauen gestartet ist?
Als Alex mich als Mentor wählte, habe ich mich erstmal riesig gefreut. Ich finde es klasse, dass MentorMe auch inklusive gegenüber Männern ist und damit auch ihnen dieses tolle Angebot zukommen lässt. Alex ist mein fünfter Mentee und ich empfinde es unglaublich spannend einen jungen Mann, der in einem anderen Rollenkontext als meine Generation lebt, zu begleiten. Es ist beeindruckend, wie bewusster oder auch berücksichtigender er seine Familie in seine Überlegungen einbezieht. Gemeinsam haben alle Mentees – unabhängig ob Mann oder Frau, dass sie Suchende sind, sei es für den nächsten Karriereschritt oder auch für eine längerfristige Lebensplanung, was jedes Gespräch unglaublich spannend und lehrreich macht.
MentorMe hat einen starken Fokus darauf, Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen. Welche Herausforderungen oder Themen haben dich als Mann in deiner eigenen Karriere beschäftigt, bei denen du dir Austausch, Orientierung oder einen Sparringspartner gewünscht hast, lieber Alex?
Ich denke die Fragen sind ähnlich, die sich Frauen und Männer stellen – mit dem großen Unterschied, dass Männer automatisch ein besseres Netzwerk haben. Nicht weil sie aktiv dafür etwas tun, sondern einfach nur, weil sie Männer sind und in den Führungspositionen nach wie vor überwiegend Männer sitzen und sich dann im Zweifel die jüngeren Männer schnappen und diese fördern.
Der größte Punkt, der mich beschäftigt hat oder auch beschäftigt, ist das, was Moritz eben meinte: Dass ich meine Familie in meine Planung einbeziehe. Dass ich mein Vater sein nicht nur als Nebensache empfinde, sondern fast sogar als zentralen Bestandteil meines Daseins und den Job bisher eher als Nebensache gesehen habe. Das ist oft auf Unverständnis gestoßen und ich habe auch Ablehnung von anderen Männern dafür erfahren („hast Du Dir ja ausgesucht“) – also wieder etwas, wo bestimmt jede Frau jetzt sagt: Erzähl mir Neues, ist mein täglich Brot, aber mir als Mann auch unbegreiflich war und ist, warum das ein Problem sein sollte. Ich bin mir im Übrigen auch sicher, dass mich das den ein oder anderen Karriereschritt gekostet hat und auch noch wird.
Und für dich als Mentor, Moritz: Welche Unterschiede beobachtest du bei der Karriereentwicklung bei Frauen/Männern aktuell?
Vereinfacht gesagt, versuchen Frauen Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, wohingegen bei Männern es eher Karriere und Familie ist. Das ist natürlich etwas klischeehaft gesprochen. Frauen sind soweit ich es beobachte, durchorganisierter und vielleicht auch zielstrebiger, um eben beides hinzubekommen, oder das Thema Familie bleibt manchmal auf der Strecke bzw. kommt sehr spät.
Was hat euch grundsätzlich dazu bewogen, Mentor bzw. Mentee bei MentorMe zu werden?
Moritz: Ohne meine Mentoren, wäre meine berufliche Laufbahn ganz anders verlaufen und ich habe zu denen die noch leben immer noch Kontakt und höre auf ihren Input. Diese Erfahrung und der Wunsch auch etwas beizutragen, haben mich dazu bewogen, Mentor zu werden.
Alex: Der Wunsch jemanden mit mehr Erfahrung zu haben, der aber auch versteht, was ich tue (Eltern etc. eher nicht, weil ganz andere Berufe) und sich mit dieser Person auszutauschen – beruflich aber auch persönlich.
Wie seid ihr aufeinander aufmerksam geworden und was hat euch beim Matching besonders angesprochen?
Alex: Ich kann es nicht auf die eine Sache reduzieren. Der Lebenslauf von Moritz war spannend. Ich wusste, dass er Erfahrung in meinem Berufsfeld hat und vom Alter her passte es auch, sodass ich das Gefühl hatte, da kann ich etwas mitnehmen und lernen. Und dann war es eine Bauchentscheidung auf Basis des Fotos und des ersten Gesprächs, die sich wie sooft im Leben als vollkommen richtig erwiesen hat. ☺️
Was habt ihr euch zu Beginn von eurem Mentoring erhofft?
Moritz: Dass ich Alex ein bisschen auf seiner Suche mit Fragen, Ideen und Motivation unterstützen kann.
Alex: Dass ich von Moritz Ideen, Perspektiven mitgegeben bekomme, wie ich mein Ziel erreiche, aber auch kritisch hinterfragt bekomme, ob das überhaupt realistisch oder sinnvoll ist.
Was habt ihr in eurer gemeinsamen Zeit voneinander gelernt?
Moritz: Es braucht ein paar Gespräche, um einander kennenzulernen und tiefer in den Austausch einzutreten. Mich beeindruckt, wieviel Bälle Alex in der Luft halten kann: Karriere, Familie, Sport, Hausbau … und dennoch präsent im Mentoring Gespräch zu sein.
Alex: Es ist auch mal völlig okay, Dinge liegen zu lassen. Dass nicht alles morgen passieren muss und vieles Zeit braucht. Und dass ich mit meiner Entscheidung, nicht ein klassischer Karrierist zu sein, völlig richtig lag, wie mir Moritz richtig gespiegelt hat.
Gab es einen Moment oder ein Gespräch, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist?
Moritz: Es war im zweiten oder dritten Gespräch, als wir über die Ambitionen sprachen; Alex, der anfangs vorsichtig und zurückhaltend war, hatte seine große Ambition beschrieben. Ich fand er hätte als guter Sportler den Ball ruhig noch etwas weiter werfen können, das haben wir dann in dem Gespräch auch gemacht, um einfach ein noch spannenderes Bild seiner Ambitionen zu malen. Mit diesem Bild haben wir dann gearbeitet.
Alex: Lustig, genau das gleiche Gespräch, glaube ich. Ich war mir unsicher und fand meine eigene Ambition irgendwie überheblich und unsympathisch und wurde doch sehr positiv von Moritz Feedback überrascht.
Was hat sich durch euer Mentoring für euch konkret verändert?
Moritz: Die Arbeit mit Alex gibt mir einen sehr persönlichen Einblick, wie junge Paare heute versuchen, Beruf, Familie, Freunde und eigene Interessen zu organisieren ohne, dass einer der Partner zurückstecken muss.
Alex: Die Sicherheit – sofern das natürlich möglich ist – auf einem guten und richtigen Weg zu sein.
Was macht eure Mentoring-Beziehung aus und warum funktioniert euer Austausch so gut?
Moritz: Die Frage muss Alex beantworten, ich würde sagen, wir sind einfach sehr offen miteinander und es ist schön, dass auch Alex mir Fragen stellt … Das gegenseitige Interesse empfinde ich als sehr hilfreich, etwas was nicht bei allen Mentees so ist.
Alex: Danke für die Blumen. Aber ich sehe das Mentoring Programm nicht als reines: Ich will was, gib her. Sondern als gemeinsamer Austausch und Erfahrung für beide Seiten. Wenn das auch bei Moritz anders wäre, hätte es glaube ich auch nicht so gut geklappt. Ich glaube wir haben die ein oder andere persönliche Überschneidung, können bspw. das Interesse für Basketball nachvollziehen, aber auch andere persönliche Erfahrungen. Das hilft natürlich. Und ich würde auch sagen: ehrliches Interesse am Gegenüber.
Was möchtet ihr anderen Menschen mitgeben, die darüber nachdenken, ein Mentoring bei MentorMe zu starten?
Moritz: Auch wenn diese Frage mehr an Mentees gerichtet ist, ich denke, der Austausch mit einer Person, die weder professionell noch privat in irgendeiner Beziehung mit einem steht, dabei bereit ist, etwas berufliche und auch Lebens-Expertise zu teilen, kann sehr hilfreich sein, um klar zu werden, was man will und wo man hinmöchte.
Alex: Plain and simple: es lohnt sich. Und gerade, wenn man vielleicht auch nicht in Berufen oder Branchen ist, wo es Mentor*innen gibt, dann ist MentorMe eine sehr gute Plattform, um auf unkomplizierte Art die richtige Person zu finden. Vor allen Dingen, wenn man nicht nur jemanden sucht, mit dem man über den nächsten Karriereschritt sprechen möchte, sondern eben auch Lebenserfahrung teilen kann und will.
Vielen Dank für eure Zeit und Offenheit!
Weitere Interviews mit anderen spannenden Persönlichkeiten und Teams aus der MentorMe Community findest du in unserem Blog. Viel Freude beim Eintauchen in das, was uns ausmacht. Du bist Mentee oder Mentor*in bei MentorMe Germany und möchtest auch an dieser Reihe mit deinem Match teilnehmen, dann komm gern auf uns zu!
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