Berufliche Entwicklung lebt nicht nur von Fachwissen, sondern auch vom Austausch mit anderen. Mentoring schafft Raum für Erfahrungen, neue Perspektiven und ehrliches Feedback und kann dabei helfen, den eigenen Weg bewusster zu gestalten. Im Gespräch mit Esther Legant von Fraunhofer IPA geht es um Netzwerke, Mentoring und die Frage, warum der Blick über den eigenen Fachbereich hinaus gerade in Forschung und Technologie so wertvoll ist.
Was hat dir bei deiner eigenen beruflichen Entwicklung am meisten geholfen?
Meine persönlichen Kontakte und meine Stärke, mein Netzwerk kontinuierlich zu erweitern und gut zu pflegen. Ich habe früh gemerkt, dass fachliches Können allein nicht ausreicht – erst durch den Austausch mit anderen Menschen entstehen die Impulse, Chancen und Perspektivwechsel, die eine Karriere wirklich voranbringen. Netzwerken bedeutet für mich dabei nicht, Kontakte zu sammeln, sondern echte, belastbare Beziehungen aufzubauen, die auf Vertrauen und gegenseitigem Geben und Nehmen beruhen. Diese Kontakte haben mir immer wieder neue Türen geöffnet, sei es durch einen Hinweis auf eine Position, ein ehrliches Feedback in einer wichtigen Entscheidungsphase oder einfach dadurch, dass jemand an mich gedacht hat, wenn sich eine Gelegenheit ergab.
„Für mich bedeutet Mentoring, die Abkürzung durch Erfahrung zu nehmen.“
Hast du bereits Erfahrungen mit Mentoring gemacht – sei es als Mentee, Mentorin oder im informellen Austausch?
Ja, und zwar auf mehreren Ebenen. Am KIT, wo ich 19 Jahre tätig war, habe ich ein Mentoring-Programm für Wissenschaftlerinnen erfolgreich aufgebaut und etabliert (Femtec). Dabei ging es mir besonders darum, Frauen in der Wissenschaft gezielt zu stärken und ihnen Zugang zu Erfahrungen und Netzwerken zu verschaffen, die ihnen sonst vielleicht verwehrt geblieben wären. In diesem Rahmen war ich selbst mehrfach als Mentorin aktiv und konnte junge Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg begleiten. Gleichzeitig habe ich auch die Mentee-Seite erlebt: Ich hatte das Glück, drei Mentoren und eine Mentorin an meiner Seite zu haben, die mich gerade in schwierigen und herausfordernden Phasen meiner Laufbahn begleitet haben. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wertvoll es ist, in kritischen Momenten nicht allein zu sein, sondern auf den Rat und die Erfahrung von Menschen zurückgreifen zu können, die den Weg selbst schon gegangen sind.
Was bedeutet für dich Mentoring allgemein und welchen Mehrwert siehst du darin für Karriereentwicklung?
Für mich bedeutet Mentoring die Abkürzung durch Erfahrung zu nehmen. Man muss nicht jeden Fehler selbst machen und nicht jeden Umweg selbst gehen. Ein guter Mentor oder eine gute Mentorin gibt einem die Möglichkeit, von bereits gemachten Erfahrungen zu profitieren und typische Stolpersteine frühzeitig zu erkennen. Das spart nicht nur Zeit, sondern gibt auch Sicherheit in Entscheidungssituationen. Der Mehrwert liegt für mich vor allem darin, dass man einen ehrlichen, unabhängigen Sparringspartner hat, der eine Außenperspektive einbringt und einen dazu anregt, eigene Denkmuster zu hinterfragen.
Wie unterstützt dich dein berufliches Umfeld am Fraunhofer IPA dabei, dich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln?
Ich habe ein wunderbares Team und einen Spitzenchef und darf in einem vertrauensvollen Umgang alle Möglichkeiten ausschöpfen, welche meine persönliche Entwicklung bestens unterstützen. Diese Vertrauenskultur ist aus meiner Sicht der entscheidende Faktor: Nur wenn man sich traut, auch mal Neuland zu betreten oder unkonventionelle Ideen einzubringen, kann man sich wirklich weiterentwickeln. Am Fraunhofer IPA erlebe ich genau dieses Umfeld – man bekommt Gestaltungsspielraum, wird ermutigt, Verantwortung zu übernehmen, und erhält gleichzeitig Rückhalt, wenn es einmal nicht sofort funktioniert.
Welche Kompetenzen oder Perspektiven lassen sich aus deiner Sicht besonders gut durch Mentoring oder ähnliche Formate stärken?
Strategisches Denken kann bestens unterstützt werden: „thinking outside the box!“ Im Job ist es wichtig, die Blickrichtung von der täglichen Arbeit hin zu langfristigen Zielen und großen Zusammenhängen zu ändern. Gerade im Alltagsgeschäft verliert man leicht den Blick für das große Ganze – ein Mentor oder eine Mentorin hilft dabei, regelmäßig einen Schritt zurückzutreten und die eigene Arbeit in einen größeren strategischen Kontext einzuordnen. Und natürlich eine kritische Selbstreflexion: Nur durch ehrliches Feedback erkennt man – und erkennt der oder die Mentee – die eigenen Stärken und ungenutzten Potenziale. Diese Ehrlichkeit ist oft das Wertvollste an einer Mentoring-Beziehung, denn im normalen Berufsalltag bekommt man selten so offenes und wohlwollendes Feedback wie von einem Mentor oder einer Mentorin, der oder die einem wirklich weiterhelfen möchte.
Wie nimmst du Kooperationen wie die zwischen Fraunhofer IPA und MentorMe wahr?
Ich nehme diese Kooperation als sehr positiv wahr. Solche Partnerschaften schaffen die geeigneten Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, Mentoring nicht dem Zufall zu überlassen, sondern es gezielt und professionell zu fördern. Das kommt sowohl den Mentees als auch der Organisation als Ganzes zugute.
Wenn du an die Zukunft denkst: Welche Bedeutung haben Programme wie Mentoring für die Entwicklung von Talenten in Forschung und Technologie?
In meinem Arbeitsbereich „Start-up Inkubator“ beschäftige ich mich mit der Kommerzialisierung von Forschung – extern benenne ich meinen Job so: „We turn ideas into products.“ Viele Forschende haben geniale Ideen, aber kein Business-Wissen. Sie sind Expertinnen und Experten auf ihrem technischen Gebiet, aber der Weg vom Labor in den Markt erfordert völlig andere Kompetenzen: unternehmerisches Denken, Marktverständnis, den Umgang mit Investoren oder das Aufbauen eines Teams. Genau hier setzen Mentoren und unser super Team an: Sie helfen dabei, aus einem Labor-Prototyp ein marktfähiges Produkt oder ein Start-up zu machen. Im Start-up-Bereich wie in jeder Karriere ist ein gutes Mentoring der Schlüssel zum Erfolg, weil es genau die Erfahrungslücke schließt, die frisch gegründete Teams oder aufstrebende Talente naturgemäß haben. Ich bin daher überzeugt, dass Mentoring-Programme in Forschung und Technologie zukünftig noch wichtiger werden – als Brücke zwischen exzellenter fachlicher Arbeit und ihrer erfolgreichen Umsetzung in der Praxis.
Vielen Dank für deine Zeit und deine Offenheit, liebe Esther!
Weitere Interviews mit anderen spannenden Persönlichkeiten und Teams aus der MentorMe Community findest du in unserem Blog. Viel Freude beim Eintauchen in das, was uns ausmacht. Du bist Mentee oder Mentor*in bei MentorMe Germany und möchtest auch an dieser Reihe mit deinem Match teilnehmen, dann komm gern auf uns zu!
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