Was tun, wenn ein*e Mentee plötzlich mit ganz persönlichen Themen kommt? In diesem Beitrag geht es um den fließenden Übergang zwischen Mentoring und Coaching. In unserem Interview mit unserer Mentorin Mona erfährst du, wie du als Mentor*in souverän damit umgehen kannst. Coaching meets Mentoring!
Was tut man als Mentor*in, wenn plötzlich ganz andere Fragen auftauchen?
„Ich wollte ihr nur erzählen, wie ich meine erste Gehaltsverhandlung geschafft habe – und plötzlich sprach sie über Mobbing in der Schule.“ Mentoring-Gespräche verlaufen nicht immer nach Plan. Und manchmal ist genau das der Moment, in dem es richtig spannend wird.
Mona, du bist Mentorin bei MentorMe, aber auch Coach mit langjähriger Erfahrung? Was tust du, wenn Coachingthemen im Mentoring auftauchen?
Selbstzweifel, Unsicherheiten, innere Blockaden? Abblocken, durchziehen oder Raum geben? Coaching-Themen im Mentoring sind völlig in Ordnung – solange wir erkennen, was da gerade passiert, und bewusst damit umgehen.
Mentoring oder Coaching: Worin liegt der Unterschied?
Ein kleiner Kompass für die Rollen: Mentoring heißt: Wissen, Erfahrungen und Netzwerke weitergeben oft entlang eines konkreten beruflichen Wegs. Coaching dagegen regt zur Selbstreflexion an, unterstützt bei Entscheidungsprozessen und hilft, eigene Ressourcen zu aktivieren, ohne direkte Lösungsvorgaben. Beides ist wichtig und wertvoll. Doch im Mentoring hilft es, den Unterschied klar zu haben: für sich selbst, für das Gegenüber, für den Prozess. Coaching meets Mentoring? Ja – mit Plan! Eine gewisse Vermischung ist ganz normal und oft auch hilfreich. Im natürlichen Gesprächsfluss wechselt oft automatisch die beratende zu einer offen klärenden Perspektive und zurück. Doch wenn die Rollen, besonders bei emotionalen und komplexen Themen, nicht klar sind, kann es zu Überforderung, Missverständnissen oder enttäuschten Erwartungen kommen.
Und was mache ich als Mentor*in jetzt damit?
- Coaching „labeln“ Wenn sich ein Coachingthema zeigt: Nenn es auch so! Mach das Gespräch bewusst zur Coaching Session mit klarer Absprache und ggf. einem neuen Rahmen. Mach die Rollen transparent und stelle deine Angebote zur Verfügung: Ihr könnt diese Entscheidung gemeinsam treffen. Als Mentorin könntest du sagen: „Ich erzähle dir gern, wie es mir in einer ähnlichen Situation ging, was ich entschieden habe, was ich bereut habe und was mir geholfen hat. Lass uns gemeinsam schauen, was zu dir passt.“ Als Coach hingegen: „Lass uns gemeinsam entdecken, was hinter deinen Gedanken steckt, was dich stärkt, was dich hemmt und wie du deine Ressourcen gezielter einsetzen kannst. Ich begleite dich, deinen eigenen Weg zu finden.“ So entsteht Klarheit und Kommunikation findet auf Augenhöhe statt – ein sicherer Raum für Lernen und Entwicklung.
- Erwartungen offen ansprechen Je klarer das gemeinsame Ziel, desto stärker die Verbindung. Schon zu Beginn des Mentorings kannst du fragen: „Was wünschst du dir von unserer Zusammenarbeit? Geht’s dir eher um fachlichen Input, Entscheidungshilfe oder regelmäßigen Austausch?“ „Wie häufig möchtest du dich austauschen – spontan oder lieber mit festen Terminen?“ Und auch deine Perspektive darf Raum bekommen: „Mir ist wichtig, dass wir uns gegenseitig Feedback geben, wenn sich etwas nicht stimmig anfühlt, sprechen wir’s an.“ Wenn sich im Laufe der Gespräche Themen verschieben, sag es: „Ich habe das Gefühl, wir sind bei einem Thema gelandet, das tiefer geht. Möchtest du, dass wir das gemeinsam anschauen?“ Transparenz schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist der beste Dünger für Entwicklung.
- Eigene Grenzen erkennen und wahren: Mentoring heißt nicht, alles lösen zu müssen. Manchmal ist der stärkste Beitrag: „Ich höre, wie sehr dich dieses Thema beschäftigt und ich glaube, hier wäre professionelle Begleitung hilfreich. Nicht, weil du was falsch machst, sondern weil es hilfreich ist, mit jemandem tiefer einzusteigen, der genau für solche Themen da ist. Ich bin dafür nicht ausgebildet und würde dir daher gern eine professionelle Ansprechpartnerin empfehlen.“ Grenzen zu setzen ist keine Schranke, sondern ein schützender Rahmen für deine eigenen Ressourcen und Raum für die Unterstützung, die am besten hilft.
Fazit aus der Mentor*innen-Community: Ein Gespräch ist selten „nur“ Mentoring oder „nur“ Coaching, oft ist es ein lebendiger Tanz dazwischen. Was zählt, ist Bewusstsein, Klarheit und der Mut, Rollen zu benennen – gerade, wenn’s emotional wird.
Wie erlebst du solche Gespräche im Mentoring? Hast du schon mal Coaching-Themen aufkommen sehen und wie bist du damit umgegangen? Schreib’s gern in die Mentor*innen-Community oder teile deine Perspektive beim nächsten Community-Austausch!
Vielen Dank für deine Zeit und deine Offenheit, liebe Mona!
Weitere Interviews mit anderen spannenden Persönlichkeiten und Teams aus der MentorMe Community findest du in unserem Blog. Viel Freude beim Eintauchen in das, was uns ausmacht. Du bist Mentee oder Mentor*in bei MentorMe Germany und möchtest auch an dieser Reihe mit deinem Match teilnehmen, dann komm gern auf uns zu!
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